David Lynch: Meditation

"Ich meditiere seit mindestens 30 Jahren zweimal täglich"

Interview von Noah Rothbaum

David Lynch, 1946 geboren, Fimregisseur
  • Lynch führt 1977 Regie im Film Eraserhead, der bald zum Kultfilm avanciert.
  • Der Erfolg von Eraserhead verschafft ihm 1980 die Regie für Mel Brooks' Film Der Elefantenmensch, der 1981 für acht Oscars nominiert wird.
  • Blue Velvet wird 1986 in den Kinos zum Kassenerfolg und zum Klassiker der Filmkunst.
  • Twin Peaks kommt 1990 als Serie ins Fernsehen und setzt neue Standards für das Fernsehschauspiel. Im selben Jahr gewinnt der Film Wild at Heart in Cannes die Goldene Palme.
  • Der 2001 erschienene Film Mulholland Drive – Straße der Finsternis wird vielfach ausgezeichnet.
  • 2005 gründet er die David Lynch Foundation (Stiftung für bewusstseins-bezogene Bildung und Weltfrieden).
  • In Venedig stellt Lynch 2006 den Film INLAND EMPIRE vor und wird dort mit dem Goldenen Bären für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Ich meditiere seit mindestens 30 Jahren zweimal täglich. Das heißt: Ich praktiziere Transzendentale Meditation, wie von Maharishi Mahesh Yogi gelehrt. Alle seriösen Meditationsformen haben Erleuchtung als ihr Ziel. Aber so, wie gesagt wird, dass alle Straßen nach Rom führen, gibt es darunter Straßen, die dreckig und verkommen sind, und es gibt auch Straßen die zweispurige Autobahnen sind und Transzendentale Meditation wurde unter diesen als "Superhighway" zu diesem Ziel bezeichnet. Und warum: "Superhighway"? Weil Maharishi einem direkt von der ersten Meditation an den Schlüssel in die Hand gibt, der die Tür zum Einheitlichen Feld öffnet, dem Feld reiner Seligkeit, reinen Bewusstseins - Transzendieren von der ersten Meditation an. Dies trifft nicht auf andere Formen der Meditation zu. Man strebt also rasch auf Erleuchtung zu - um dies einmal so auszudrücken - und es ist diese Erfahrung des Einheitlichen Feldes, die Transzendentales Bewusstsein ist und ausmacht.

Die Erfahrung dieses Feldes entfaltet Erleuchtung. Das heißt: Erleuchtung entwickelt sich durch diese Erfahrung. Und dieses Feld liegt aller Materie zugrunde. Es ist das, was die modernen Wissenschaftler vor etwa 25 Jahren entdeckten als Einheitliches Feld, die Grundlage aller Materie. Es liegt jenseits der feinsten Ebene der Materie. Es ist also nicht mehr Materie, es befindet sich schon jenseits von Materie. Dieses Feld liegt dort als die Grundlage aller Materie und die Materie entsteht da heraus - aus diesem Feld. Indem es unmanifest bleibt, manifestiert dieses Feld das gesamte Universum und erhält und versorgt es dieses Universum und uns alle. Es ist reine Glückseligkeit, reines Bewusstsein, reine kreative Intelligenz, es ist Harmonie, es ist Kohärenz, es ist Frieden, es ist unbegrenztes unendliches, ewiges göttliches Sein. Und es ist jene Ebene, von der gesagt wird: Sie hat keinen Anfang und ist und wird immer sein. Es ist der Ozeans des Einsseins ('oneness') an der Grundlage von allem. Maharishi lehrt einen Weg, wie man sich jeden Tag mit diesem Bereich neu vermählt, ihn in sich einfließen lässt, wie diese Erfahrung dieses Bereichs wächst und zur Erleuchtung führt, was ein Zustand von Erfüllung ist.



Erleuchtung ist jedermanns volles Potential. Erleuchtung ist das Geburtsrecht jedes Menschen, aber man muss etwas dafür tun, um es der Erleuchtung zu ermöglichen, sich zu entfalten. Und genau das ist Meditation. Um zu meditieren, sitzt man bequem da, schließt seine Augen und wiederholt ein Mantra. Ein Mantra ist ein besonderer Klang,ein Gedanke oder eine Schwingung. Man meditiert aber nicht über dessen Bedeutung. Die wiederholte Verwendung führt den Geist nach innen und der Gedanke vermindert sich dabei bis zur Quelle der Gedanken. Die Quelle der Gedanken ist auch die Quelle von allem. Und wenn man zu dieser Quelle der Gedanken gelangt ist, transzendiert man, das heißt: gelangt man in diesen Ozean von Seligkeit und Bewusstsein hinein. Man erhält bei der Unterweisung in diese Technik das Mantra, was für einen gut ist, aber es kann vorkommen, dass ein anderer dasselbe Mantra hat. Man wiederholt es nicht laut, sondern innerlich. Dies kehrt den Vorgang des Denkens um und man gelangt - in umgekehrter Richtung des sonstigen Denkprozesses sozusagen - zur Quelle der Gedankens. Man möchte natürlich das Mantra haben, das einen dahin führt, wo man hinmöchte, und was dabei über den ganzen Weg hin nur lebensunterstützend ist. Und darin besteht genau das Geschenk von Maharishi. Wenn man die Transzendentale Meditation erlernen will, muss man Kontakt mit einem Lehrer aufnehmen.

Bevor ich mit der Meditation begann, hatte ich viel Zorn in meinem Innern. Der verlor sich dann in den ersten Wochen der Meditation. Eine Freude wuchs in mir. Ein Gefühl des Wohlbefindens kam auf. Eine größere Energie entstand. Eine Art größeres Verständnis und Bewusstsein wuchs. Jeden Tag wird das irgendwie etwas mehr, man fühlt sich positiver und das Negative scheint sich zu dezimieren. Weil das Bewusstsein sich ausdehnt, denke ich, kann man Ideen schon auf feineren Ebenen auffangen. Und auf je feineren Ebenen man sie aufgreift, umso mehr Inhalt haben diese Gedanken. Es ist, wie wenn Du einen Keim abfängst. Wenn Du ihn auf der Oberflächenebene abfängst, hast Du da - bei einem Samen für etwa einen Baum - ein paar Keimblätter und ein paar kleine Verästelungen. Aber nimmst Du ihn als Ganzes auf, hast Du den gesamten Pflanzenkörper, zusätzlich zu den Verästelungen und Blättern. Je tiefer Du ansetzt, desto mehr ist da. Die Kreativität dehnt sich ebenfalls aus.

Aber ich kann nur sagen: Ich habe nie mit einer Meditation ausgesetzt, daher kann ich nicht sagen, wie das Leben wäre ohne sie. Ich weiß nur einfach, ich vertreibe mir soweit ganz hübsch und nett die Zeit.

Ich weiß natürlich, dass das Kämpfen, die Dunkelheit, die Verwirrung einen Film interessant machen. Auf der anderen Seite würde ich einer ganzen Reihe meiner dargestellten Personen - sollten sie einmal aus der Leinwand in das wirkliche Leben hinausspazieren - definitiv empfehlen, zu meditieren. Man kann ja leider nicht für jemanden anders meditieren. Allerdings lehrt Maharishi, seit - ich weiß nun nicht mehr genau, wie vielen Jahren inzwischen - die Gruppenpraxis. Folgendermaßen wurde sie mir erklärt: Die Formel dafür ist die Quadratwurzel aus 1% der Weltbevölkerung. Wenn es eine Gruppe dieser Größenordnung gäbe - was dann die Anzahl von 8 000 Personen erforderlich machen würde - die zusammen dasitzen, und jedes Mitglied der Gruppe taucht ganz tief nach innen und belebt den Ozean des Friedens und der Kohärenz, der Harmonie und der Glückseligkeit in sich selbst, dann beginnen die individuelle Gehirnwellen sich zu überlagern und aus dieser Überlagerung entsteht eine einzige exponentiell größere globale Welle. In dieser Situation ist dann jede individuelle Welle genau dies: Sie ist eine globale Welle der Kohärenz, der Harmonie, des Friedens. Diese Gruppenpraxis - diese friedenschaffende Gruppenwirkung - wurde 52 mal getestet und jedes Mal, wenn dies untersucht wurde, und zwar innerhalb des jeweiligen Gebietes, in das, abhängig von der Größe der Gruppe, die Wirkung hineinstrahlte, verminderten sich auf signifikante Weise Kriminalität und Gewalt. Die Wirkung erstreckt sich bis auf das ganze Weltbewusstsein, wie gesagt wird. Es ist genau wie das Anschalten von Licht und die Dunkelheit verschwindet - hier liegt das Geheimnis für die Schaffung von Frieden auf der Erde.

Maharishi sagt, Negativität ist wie Dunkelheit. Und Dunkelheit ist eigentlich nur die Abwesenheit von etwas anderem. Sie ist die Abwesenheit von Licht. Man knipst das Licht des Friedens an oder dreht es noch weiter auf und die Negativität verschwindet. Das Licht des Friedens, was angeschaltet wird - das wird durch diese friedensschaffende Gruppe angeschaltet. Dieser Frieden ist einfach nur jene wunderschöne, ewige Ebene des Seins, reinen Bewusstseins, reiner Seligkeit, reiner Harmonie, reinen "Was-auch-Immers", die schon immer da ist, die belebt wird durch die Gruppe und nach außen ausstrahlt. Die Negativität verschwindet.

Es wird erwartet, dass man regelmäßig meditiert und ansonsten sein eigenes Leben führt. Man gerät nicht in Schwärmereien, man gibt nicht vor, heiliger zu sein, als man es ist. Man fügt die Meditation dem eigenen Leben hinzu und geht dann seinen Tagesgeschäften nach - dem, was man so zu tun hat. Und nach und nach - ganz allmählich - werden die Dinge einfach besser und besser und besser. Die Natur beginnt einen zu unterstützen. Man weiß dann einfach, dass - anstatt sich in Schwierigkeiten zu bringen - man besser einfach anfängt, es leichter zu nehmen und die Natur beginnt einem zu helfen. Freude und Glück wachsen, das Bewusstsein wächst. Alles wird einfach besser.

- David Lynch, 2003

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Ryan Malkin,
Chefredakteur der US-Zeitschrift "filosophy" (http://www.filosophy.com).

Übersetzung von Margot Süttmann (www.GesundeGesellschaft.de).

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