Ein Überblick von Jan Müller
„Veda“ heißt „Wissen“ und stammt von der Sanskritwurzel „vid“, der auch die deutschen Wörter „wissen“ (Niederdeutsch „weten“) und „finden“ entstammen. Der Rik-Veda ist das älteste überlieferte Zeugnis indoeuropäischer Sprache: eine uralte Formelsammlung in Versform. Lange vor der Erfindung der Schrift wurde er von den Brahmanenfamilien Indiens unverändert vom Vater zum Sohn überliefert. Dass der Klang des Veda über Jahrtausende hinweg bis in unsere Tage erhalten blieb, liegt an seiner starken Ausstrahlung und seiner Kraft, dem Zuhörer die Anfänge seiner eigenen Kultur und die kosmische Natur des Menschen ins Gedächtnis zurück zu rufen. Denn der Klang des Veda gilt als feste, unvergängliche Lautfolge, deren Struktur die Gesetze des Universums ausdrückt und im Bewusstsein belebt. Der Sinn, den der Mensch zu verschiedenen Zeiten aus diesem Klang ableitet, ist hingegen dem Wandel der Zeit unterworfen und richtet sich jeweils nach dem herrschenden Zeitgeist. ![]() Rik-Veda Sanskrit-Handschrift aus dem 19. Jahrhundert Im Lichte der Vedischen Wissenschaft ist der Veda der selbstreflektierende Ausdruck reinen Bewußtseins, das sich selbst als Erkennender, Erkennen und Erkanntes begreift und die innere Wechselwirkung dieser drei Aspekte zum Ausdruck bringt. Der Veda beschreibt dasselbe, was moderne Quantenmechaniker und Erkenntnistheoretiker als den Urzustand des Universums betrachten: die Einheit von Erkennendem, Vorgang des Erkennens und Erkanntem. Nach dem Veda ist der Urstoff des Universums das Feld der Transzendenz, reines Bewusstsein, der in sich selbst ruhende Zustand völliger Wachheit der Weltseele. Durch Selbstwechselwirkung nimmt dieser Urstoff verschiedene Eigenschaften an und verdichtet aus sich selbst heraus die Vielfalt des Universums. Im Rik-Veda heißt es:
Das Wissen über die kosmische Natur des Selbst, so sagt der Veda, schlummert unbewusst am Grunde des menschlichen Geistes und kann durch regelmäßiges Eintauchen in den Zustand ruhevoller Wachheit wieder erweckt werden. Durch die globale Verbreitung Vedischer Meditationtechniken ist es heute den Angehörigen aller Kulturkreise möglich, reines Bewusstsein zu erfahren und in der Stille ruhevoller Wachheit den Urklang des Veda in sich selbst wiederzufinden, der dem Menschen den in seiner Erbsubstanz angelegten Bauplan wieder zu Bewusstsein bringt. Der Rik-Veda sagt:
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