Das Gehirn im transkulturellen Kontext

Die Wahrnehmung des Selbst einer Person variiert in unterschiedlichen Kulturen

Foto: © lbc.nimh.nih.gov
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Unser Denken und Handeln sind geprägt durch Erfahrungen, die wir in unserem kulturellen Umfeld erleben. Gibt es eine Abhängigkeit zwischen den Mechanismen unseres Gehirns und diesem kulturellen Kontext? Beeinflussen unterschiedliche Kulturen die Aktivität in unserem Gehirn bei mentalen Zuständen? Wird die neuronale Aktivität unseres Gehirns möglicherweise durch den kulturellen Kontext nicht nur moduliert, sondern sogar konstituiert? Dieses sind die Fragen, die Georg Northoff von der Psychiatrischen Klinik an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg zusammen mit seinem chinesischen Co-Autor Shihui Han in einem Artikel in der renommierten Fachzeitschrift Nature Reviews Neuroscience (Volume 9, No 8 August 2008) stellt.

Während die Abhängigkeiten unseres Verhalten vom kulturellen Kontext lange bekannt sind, sind die Mechanismen, wie unser Gehirn auf kulturelle Unterschiede reagiert, bisher nicht bekannt. Neue technische Möglichkeiten, wie die funktionelle Bildgebung, vor allem der funktionellen Kernspintomografie erlauben Einblicke in möglicherweise kulturell bedingte Unterschiede der Hirnfunktionen. In dem Artikel von Northoff und Han werden verschiedenste Formen der Modulation der Gehirnfunktion im kulturellen Kontext diskutiert. Sie stellen Wahrnehmungsprozesse vor, wo zum Beispiel Europäer und Amerikaner unterschiedliche neuronale Aktivität im visuellen Kortex im Vergleich zu Asiaten bei einer gleichen Aufgabe zur visuellen Aufmerksamkeit zeigen.

Dabei zeigt sich, dass die visuelle Wahrnehmung bei den asiatischen Probanden sehr auf den Kontext fokussiert, wohingegen die Wahrnehmung der Europäer eher auf das Objekt selber fokussiert. Dieses schlägt sich auch in einer Aktivität in verschiedenen Arealen im Gehirn, so zum Beispiel im visuellen, parietalen und präfrontalen Kortex nieder. Andere Beispiele, wo kulturelle Unterschiede gefunden werden, umfassen Sprache und Musik, mentale Kalkulation sowie emotionale Prozesse. Offenbar wird die Art und Weise der Wahrnehmung sowie die genaue Ausführung von kognitiven Prozessen sehr stark durch den kulturellen Kontext geprägt, welches sich wiederum in Unterschieden in der Hirnfunktion, so zum Beispiel unterschiedlich starke Aktivierung in verschiedenen Arealen, niederschlägt.

Ein anderes Beispiel betrifft das Selbst. In der chinesischen Kultur wird das Selbst einer Person nicht nur mit der eigenen Person, sondern auch mit der Mutter der entsprechenden Person assoziiert, wohingegen im europäischen Sprachraum das Selbst eher individualisiert und daher weniger sozial aufgefasst wird und mehr auf die eigene Person in Unabhängigkeit und im Unterschied zu anderen Personen fokussiert. Interessanterweise zeigt sich bei den entsprechenden Stimulationen von Stimuli, die sowohl für die Person als auch für die Mutter relevant sind, bei den chinesischen Probanden die gleiche Aktivierung, wohingegen bei den europäischen Probanden die Stimuli, die einen Bezug zur Mutter aufwiesen, keine Aktivierung in denjenigen Arealen induzierte, wo persönlich relevante Stimuli eine starke Aktivität auslösten.

Die von Northoff und Han diskutierten Befunde haben massive Implikationen. Möglicherweise handelt es sich bei den Einflüssen von kulturellem Kontext nicht nur um einen modulierenden Einfluss, sondern um einen konstituierenden Einfluss, der die neuronale Aktivität als solche konstituiert. Weiterhin wird natürlich die alte Frage von Natur versus Kultur hier berührt: Ist die Aktivität des Gehirns genetisch prädisponiert oder wird sie durch die Umwelt und die Kultur konstituiert? Weiterhin werden hier auch die Fragen bei psychiatrischen Erkrankungen berührt, so dass gerade psychiatrische Erkrankungen mit ihren verschiedenen Symptomen möglicherweise kontextdependent sind und transkulturelle Unterschiede aufweisen. Dieses ist in neuronaler Hinsicht bisher in keinster Weise erforscht und wird als ein Zukunftsgebiet von Northoff und Han skizziert. Schlussendlich werfen die referierten Befunde natürlich auch die Frage der Möglichkeit der Verknüpfung von Natur- und Geisteswissenschaften im Rahmen der Neurowissenschaften auf. Möglicherweise steht das Gehirn genau an der Grenze zwischen den beiden Wissenschaften und könnte in der Zukunft als eine gemeinsame Bedingung und somit zur Konvergenz zwischen Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften beitragen.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw)


Dieser Artikel wurde am 18.08.2008 im Vedamagazin veröffentlicht.
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