Deutschlands Männer würden gerne Familien gründen

Von wegen „Null Bock auf Familie!“ – verhinderte Väter scheitern an Rahmenbedingungen

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Deutschlands Männer: unsichere Aussichten
Berlin/Gütersloh – Von „Zeugungsstreik“ kann nicht die Rede sein. Junge Männer haben „Bock auf Familie“. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Wege in die Vaterschaft: Vaterschaftskonzepte junger Männer“, die das Deutsche Jugendinstitut in München im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt hat.

Mehr als neun von zehn der befragten kinderlosen jungen Männer sagen ja zu Kindern. Für 66 Prozent ist dazu eine „gefestigte Partnerschaft“ die persönliche Voraussetzung. Auch die Bedeu­tung finanzieller Sicherheit als Grundlage für eine Familiengründung wird deutlich. Das Ernährer­modell ist in den Köpfen verankert: Bevor sich die Väter von morgen nicht in der Lage sehen, für eine Familie zu sorgen, kommen Kinder für sie nicht in Frage. Denn 95,5 Prozent sehen es als ihre Aufgabe an, der Familie ein Heim zu bieten. Eine frühe Vaterschaft, noch in Ausbildung oder in der Phase des beruflichen Einstiegs, ist daher für 57,2 Prozent der Befragten aus finanziellen Gründen unvorstellbar. Im Westen der Republik ist das Modell - erst Ausbildung und Beruf, dann Familie - stärker vertreten als im Osten.

Die Studie „Wege in die Vaterschaft“ geht über die derzeitige Väterforschung hinaus. Sie unter­sucht die Lebenskonstellationen junger Männer in verschiedenen Lebensphasen auf dem Weg des Erwachsenwerdens - und zwar auch in den Phasen vor der Vaterschaft. Sehr früh werden die Weichen dafür gestellt, ob und warum Männer (keine) Väter werden und ob und wie sie eine reali­sierte Vaterschaft leben wollen. Die Grundgesamtheit der Untersuchung sind männliche Jugendli­che und junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 42 Jahren. Aus dieser Gruppe wurden von Oktober 2007 bis Februar 2008 deutschlandweit 1.803 Männer befragt.

Veränderte Geschlechter- und Rollenverhältnisse sowie höhere Ansprüche an den Partner und die Kindererziehung rücken Männer und Väter zunehmend ins Rampenlicht. Zwar ist heute viel von den „neuen Vätern“ die Rede, doch fehlt es nach wie vor an institutionellen Arrangements und an attraktiven, neuen, gesellschaftlich geteilten Väterbildern. 55,3 Prozent der Befragten geben an, dass sie durch die Vaterschaft sicherlich Lebensfreude gewinnen würden. 62,5 Prozent sind aber über­zeugt, ihre finanzielle Situation werde sich deutlich verschlechtern.

Trotz traditioneller Rollenorientierungen haben junge Männer jedoch auch moderne Vorstellungen von Vaterschaft: Sie wollen heute nicht mehr nur „Brotverdiener“ sein. 94,9 Prozent der Befragten halten es für wichtig, sich Zeit für das Kind zu nehmen. Zugleich darf das Engagement in der Fa­milie nicht zu Lasten des Berufs gehen. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld, das die Väter bis jetzt noch weitgehend individuell bewältigen müssen.

Die Vereinbarkeit von Familie, Privatinteressen und Beruf wird möglicherweise auch zum Problem für Männer. Je höher die Qualifikation und das berufliche Engagement, desto größer die Sorge um Karriereverlust und Nachteile im Beruf. 90,9 Prozent der Befragten wünschen sich am Arbeitsplatz Maßnahmen, die ihnen mehr Zeit mit der Familie ermöglichen (aktive Vaterschaft), z.B. Erleichte­rungen, um ihre Berufstätigkeit auch tatsächlich unterbrechen zu können. Aber nur drei Prozent der berufstätigen Väter geben an, dass sie am Arbeitsplatz ausreichend Unterstützungsangebote zur Kinderbetreuung vorfinden.

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Studie lassen sich Handlungsempfehlungen ableiten. „Damit Vaterschaft im frühen Erwachsenenalter strukturell wie ideell 'normal' werden kann, gilt es, schon Bildungs- und Ausbildungsphasen eltern- und damit auch väterfreundlicher zu gestalten. Ausbildung bzw. Studium und Vaterschaft sollten simultan z.B. durch eine größere zeitliche Flexibi­lität im Studienverlauf möglich gemacht werden“, so Professor Dr. Thomas Rauschenbach, Vor­stand und Direktor des Deutschen Jugendinstituts, das die Studie durchgeführt hat. Hilfreich wäre auch zum einen, die Teilzeitberufsausbildung weiter zu entwickeln, zum anderen, Ansätze zu einer familienfreundlichen Hochschule mit Kinderbetreuungsmöglichkeiten in die Fläche zu verbreiten.

In Betrieben und Unternehmen sind auf der strukturellen Ebene nicht alleine die oft beschworenen „vorgefertigten“ flexiblen Arbeitszeiten notwendig, sondern eine Unternehmenskultur, in der „aktive Väter“ nicht belächelt werden und Vorgesetzte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorleben.

„Die Gesellschaft braucht neue Väter, keine 'zweiten Mütter'“, sagt Liz Mohn, stellvertretende Vor­standsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung. „Sichtbare Vorbilder spielen als Identifikationsfiguren eine große Rolle. Das können auch aktive Väter in der Nachbarschaft sein, der Lehrer oder ein in seiner Familie engagierter Chef. Je früher junge Menschen diese Erfahrungen machen, desto bes­ser.“

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw)


Dieser Artikel wurde am 28.10.2008 im Vedamagazin veröffentlicht.
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