Schlechte Noten für deutsches Gesundheitswesen

70 Prozent der angehenden Ärzte können sich vorstellen auszuwandern

Bochum - Extrem ungünstige Arbeitszeiten, Budgetierung und mangelhafte Vergütung ärztlicher Leistungen sind die häufigsten Gründe für angehende Mediziner, sich gegen eine Tätigkeit als Arzt in Deutschland zu entscheiden. 72,7 Prozent der Teilnehmer einer online-Umfrage der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität können sich vorstellen, nach ihrem Abschluss das Land zu verlassen. Es zeigte sich aber auch: Eine praxisbezogene Lehre kann Berufswünsche und Ziele positiv beeinflussen. Die Forscher haben rund 4.000 Studierende deutschlandweit befragt.

Was angehenden Ärzten Sorgen macht

Die Forscher um Dr. Dorothea Osenberg (Abteilung für Allgemeinmedizin der Ruhr-Universität, Prof. Dr. Herbert Rusche) wollten wissen, was den Studierenden Sorgen macht, wie zufrieden sie mit ihrem Studium sind, was sie planen und welche Auswirkungen sie von der Entwicklung des Gesundheitssystems in Deutschland auf ihren Werdegang erwarten. Das Ergebnis war ernüchternd: 77,1 Prozent der Teilnehmer erwarten deutliche, vor allem negative Einflüsse des Gesundheitssystems auf die eigene Lebens- und Berufsplanung. 72,7 Prozent können sich vorstellen, deswegen ins Ausland auszuwandern, am häufigsten wurde Skandinavien genannt, gefolgt von der Schweiz, England, Österreich, den USA und Australien. Die stärkste Abschreckungswirkung in Deutschland haben die ungünstigen Arbeitszeiten der Ärzte, die Budgetierung und die schlechte Vergütung ärztlicher Leistungen.

"Medizin studieren ist Masochismus"

Zusätzlich zu 25 überwiegend geschlossenen Fragen bot die Umfrage auch die Möglichkeit, Freitext einzugeben, von der über 2.500 Teilnehmer Gebrauch machten. Das bei weitem häufigste Thema (75 Prozent) waren dabei die gesundheitspolitische Entwicklung und die eigene berufliche Zukunft. "Die Situation in Deutschland ist so verfahren, dass man nicht mehr hier arbeiten kann", schreibt z.B. ein Teilnehmer. "Das deutsche Gesundheitssystem ist ernüchternd. Hier bleibe ich sicher nicht nach dem Studium", ein anderer. "Medizin studieren ist Masochismus", heißt es da. "Die Leidtragenden sind die gesetzlich Versicherten, die die Leistungen, die die Ärzte ihnen bieten könnten, nicht wahrnehmen können, da sie die Kosten immer häufiger selber tragen müssen ...".

Lehre hat großen Einfluss

Ein Vergleich der Antworten von Medizinstudierenden im Regelstudiengang mit Studierenden des Modellstudiengangs Medizin der Ruhr-Universität ergab interessante Ergebnisse. So sehen nur ca. zwei Prozent der Studierenden des Modellstudiengangs die fachlichen Anforderungen im ärztlichen Alltag als Problem; unter den Studierenden im Regelstudiengang sind es rund zwölf Prozent. Die Kooperation zwischen Arzt und betriebswirtschaftlichem Management sehen im Regelstudiengang ca. 39 Prozent als problematisch an, im Modellstudiengang nur rund 22 Prozent. "Das zeigt uns, dass eine praxisbezogene Lehre durchaus Einfluss auf die Einschätzung des Arztberufs haben kann", sagt Dorothea Osenberg.

Die Teilnehmer

An der Studie teilgenommen haben rund 4.000 Studierende aus ganz Deutschland, darunter ca. 1.300 Medizinstudierende der Ruhr-Universität, von denen rund 172 im Modellstudiengang eingeschrieben sind. Das Durchschnittsalter lag zwischen 25 und 26 Jahren, 62,3 Prozent waren Frauen. Fast ein Viertel der Teilnehmer hatten vor ihrem Studium einen Beruf erlernt, die meisten im Gesundheitswesen. Gut 40 Prozent der Befragten hatten sich aus Interesse an medizinischen Zusammenhängen für ein Medizinstudium entschieden, 20 Prozent wegen der damit verbundenen Hilfeleistung, 16 Prozent wegen der Vielseitigkeit der möglichen Berufsausübung und 13 Prozent aus Freude am Kontakt mit Menschen. Fast 62 Prozent würden sich wieder für ein Medizinstudium entscheiden.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw)


Dieser Artikel wurde am 17.11.2008 im Vedamagazin veröffentlicht.
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