Bald keine gentechnikfreien Lebensmittel mehr verfügbar?

Greenpeace sieht dennoch leichte Fortschritte bei Reform des Zulassungssystems

Wien/Brüssel - Mit einem lachenden und einem weinenden Auge zieht die Umweltschutzorganisation Greenpeace Bilanz über das Ergebnis der Gentechnik-Debatte im Zuge des EU-Umweltrats. Während die EU-Umweltminister die Europäische Kommission zwar zu Verbesserungen des Zulassungsprozesses von gentechnisch veränderten Pflanzen auffordern, eröffnen sie in der Abschlusserklärung die Möglichkeit zur Verunreinigung von konventionellem Saatgut mit Gentech-Anteilen.  Auch der neue österreichische Umweltminister Berlakovich akzeptierte diese Position und verließ damit den gentechnik-kritischen Weg, der bis dato Null-Toleranz in der Saatgutfrage vorsah.

"So begrüßenswert der Vorstoß der EU-Umweltminister bezüglich der Reform des Gentechnik-Zulassungsverfahrens auch ist, in der Frage der Grenzwerte für Gentech-Verunreinigungen von Saatgut wurde gestern die Büchse der Pandora geöffnet", warnt Philipp Strohm, Gentechnik-Experte von Greenpeace. "Denn wenn keine sauberes Saatgut - also ohne Gentech-Kontaminationen - mehr erhältlich ist, werden auch bald keine sauberen Lebensmittel mehr verfügbar sein", erklärt Strohm.

Die österreichische Position sei immer gewesen, dass Saatgut generell frei von Gentechnik sein muss und damit der Grenzwert bei der technisch möglichen Nachweisgrenze von 0,1 Prozent liegen müsse. Die jetzige Formulierung lässt jedoch höhere Grenzwerte zu.

Das Ergebnis des gestrigen Ratstreffens der EU-Umweltminister markiert das Ende einer sechs - monatigen Debatte, die von der französischen EU-Präsidentschaft eingeleitet wurde. Nun liegt es an der EU Kommission und an der zuständigen Lebensmittelbehörde EFSA, die Aufforderungen des Rates umzusetzen.

Auf der positiven Seite der Bilanz steht laut Greenpeace, dass sich die EU-Umweltminister dafür ausgesprochen haben, die Langzeiteffekte von GVO (gentechnisch veränderte Organismen) auf Umwelt und Gesundheit besser zu berücksichtigen. Sie sagen weiters, dass unabhängige Wissenschafter Zugang zu Informationen erhalten sollen, die bislang von den Biotech-Firmen geheim gehalten wurden. Ebenfalls positiv ist, dass grundsätzlich anerkannt wurde, dass die ökologisch unterschiedlichen Regionen innerhalb der EU gesondert berücksichtigt werden sollen. Der Text gibt sogar explizit die Möglichkeit vor, dass, wenn wissenschaftlich begründet, GVO in ökologisch sensiblen Regionen verboten werden können. Das eröffnet für Österreich einen neuen Handlungsspielraum im Kampf gegen Gentechnik. So könnte es in Zukunft möglich sein, zum Beispiel die Alpenregion generell und für immer vor dem Anbau der Gentechnik zu schützen.

"Minister Berlakovich muss jetzt alle Anstrengungen unternehmen um zu evaluieren, in welchen Regionen es möglich sein wird, die Gentechnik ganz zu verbannen. Zudem fordern wir den Umweltminister für den weiteren Prozess auf EU-Ebene auf, alles zu tun, damit unser Saatgut weiter frei von Gentech-Kontaminationen bleibt", so Strohm abschließend.

Quelle: Greenpeace Österreich

Dieser Artikel wurde am 06.12.2008 im Vedamagazin veröffentlicht.
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