Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer

Fallende Einkommen und Altersarmut belasten besonders Ostdeutschland

Die Ungleichheit der Vermögensverteilung in Deutschland ist einer aktuelle Studie zufolge zwischen 2002 und 2007 stark gestiegen.  Dabei haben sich auch die Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland weiter vergrößert. Besonders besorgniserregend ist der Rückgang des Vermögens der mittleren Altersgruppen in Ostdeutschland.

Während in Westdeutschland die Nettovermögen seit 2002 um gut elf Prozent anstiegen, sind sie in Ostdeutschland um knapp zehn Prozent gesunken. Berücksichtigt man die Inflation, ist der Wert der privaten Vermögen im Osten sogar um 17 Prozent gesunken. Neben der hohen Arbeitslosenquote ist auch der Preisverfall selbstgenutzter Immobilien in Ostdeutschland für diese Entwicklung verantwortlich. Deren durchschnittlicher Wert ist in Westdeutschland im Untersuchungszeitraum um rund 6.000 Euro auf 154.000 Euro gestiegen, in Ostdeutschland hingegen um rund 7.000 Euro auf 80.000 Euro gesunken. Selbstgenutzte Immobilien sind nach wie vor die wichtigste Anlageform in Deutschland.

Mit Blick auf die künftige Alterssicherung besorgniserregend ist auch eine weitere Entwicklung: So ist für die mittleren Altersgruppen von 36 bis 65 Jahren in Ostdeutschland ein deutlicher Vermögensrückgang zu konstatieren. Dieser beläuft sich je nach Altersgruppe auf 7 000 bis 14 000 Euro, was einem Rückgang von 10 bis 17 Prozent entspricht.

Im Westen ist dieser Anteil hingegen seit 2002 rückläufig. Unterschiede zeigen sich auch in der Vermögensstruktur zwischen Ost- und Westdeutschland: Ostdeutsche besitzen deutlich seltener Immobilien und sind häufiger verschuldet – allerdings nicht so hoch wie die Schuldner im Westen.

Die „untere Hälfte“ der Bevölkerung tritt beim Vermögen auf der Stelle

Insgesamt verfügten die privaten Haushalte in Deutschland 2007 über ein Nettovermögen von gut sechs Billionen Euro. Rechnerisch entspricht dies rund 88.000 Euro pro Erwachsenem. Seit der letzten Untersuchung im Jahr 2002 ist dieser Wert inflationsbereinigt um gut zehn Prozent gestiegen. Dies ist vor allem auf die Zunahme des Geldvermögens sowie der Vermögen aus privaten Versicherungen zurückzuführen. Im Gegensatz zum steigenden Durchschnittsvermögen liegt jedoch der Median des Nettovermögens weiterhin bei nur etwa 15.000 Euro. Der Median ist der Wert, der die reichere Hälfte der Bevölkerung von der Ärmeren trennt. Dies bedeutet, dass die Vermögenszuwächse desto höher ausfielen, je größer das vorhandene Vermögen bereits vorher war.

Jeder Vierte hat gar kein Vermögen oder ist verschuldet

Mehr als ein Viertel aller Erwachsenen (27 Prozent) verfügten über kein persönliches Vermögen oder waren sogar verschuldet, während das reichste Zehntel der Bevölkerung über ein Netto-Gesamtvermögen von mindestens 222 000 Euro verfügte.

Die Vermögensentwicklung zeigt auch, dass die politischen Bemühungen um eine verstärkte private Altersvorsorge zumindest bei einem Teil der Bevölkerung Wirkung zeigt. So hat sich der Wert des in Kapitalversicherungen angelegten Vermögens zwischen 2002 und 2007 um rund 18 Prozent vergrößert. Diese Entwicklung kann unter anderem durch die Reformen zur Förderung der privaten Altersvorsorge (Riester- oder Rürup-Rente) erklärt werden. Auch die Sparquote ist zwischen 2002 und 2007 deutlich von 9,9 Prozent auf 10,8 Prozent gestiegen.

"Die Erbschaftsteuerreform wird zu einer weiteren Vermögenskonzentration führen. Es sollte aber das Prinzip der Chancengleichheit gestärkt werden, denn nicht nur die Bildungschancen sondern auch die Höhe der erwarteten Erbschaften werden maßgeblich von der sozialen Herkunft bestimmt“, empfehlen Frick und Grabka. "Ein neuerliches Überdenken dieser Reform wäre deshalb geboten".

Quelle: DIW Berlin


Dieser Artikel wurde am 23.01.2009 im Vedamagazin veröffentlicht.
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