Gerechtigkeit ist ein menschliches Grundbedürfnis

Für gerechte Entscheidungen öfter mal dem Bauchgefühl vertrauen

Schon seit der Antike spielt Gerechtigkeit für die Menschheit eine wichtige Rolle, wie zahlreiche Schriften belegen. Dem Gerechtigkeitsmotiv haben sich auch Wissenschaftler der Pädagogischen Psychologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) gewidmet. Die zweite Projektphase wurde nun nach zwei Jahren von Prof. Dr. Claudia Dalbert und ihrem Forscherteam mit der Erkenntnis abgeschlossen, dass bei komplexen gerechtigkeitsthematischen Entscheidungen intuitive Entscheidungsprozesse wichtig sind. Sie sind meist gerechter als jene, die man abwägt, besonders für Menschen mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitsmotiv.

"Neu ist in unserer Forschung die Erkenntnis, dass Gerechtigkeit so grundlegend ist, dass sie neben Liebe, Macht und Leistung ein menschliches Grundbedürfnis darstellt", erklärt die Psychologin Prof. Dr. Claudia Dalbert. Im ersten Teil ihres Forschungsprojekts hat sie sich mit dem Gerechtigkeitsmotiv beschäftigt. Dabei wurde festgestellt, dass Menschen nach Gerechtigkeit streben, weil Gerechtigkeit ein Ziel an sich und ein menschliches Bedürfnis ist, ohne das die Rasse Mensch nicht überleben könnte.

Das Gerechtigkeitsmotiv lässt sich noch einmal in eine implizite und explizite Ebene unterteilen. Implizit bedeutet, dass emotionale Erfahrungen unbewusst das menschliche Verhalten und den Gerechtigkeitssinn prägen. Explizit meint dagegen: Menschen reflektieren ihre Interessen und beschreiben sich als gerecht. "Allerdings haben diese Äußerungen nicht immer etwas mit dem tatsächlichen Verhalten zu tun", so Claudia Dalbert.

Die Psychologin hat diesen Forschungsstrang zum Gerechtigkeitsmotiv mit Erkenntnissen des Wissenschaftlers Ap Dijksterhuis verbunden. Dieser hat sich mit der komplexen Entscheidungsfindung beschäftigt und festgestellt: "Je komplexer eine Entscheidung, desto mehr sollte man seiner unbewussten Informationsverarbeitung vertrauen". Als Beispiel für einen solchen Entscheidungsprozess nennt Claudia Dalbert die Wohnungssuche. "Wenn man beispielsweise eine neue Wohnung sucht und verschiedene im Angebot hat, stellt man sich die Frage: Für welche soll ich mich entscheiden?" Die meisten machen sich dann Gedanken zum Mietpreis, zur Lage, zur Einrichtung der Wohnung und vielem mehr. "Allerdings sind Entscheidungen auf der unbewussten Ebene vorteilhafter, denn sie führen zur objektivierbar besten Wohnung", erklärt sie.

In der zweiten Phase ihres Forschungsprojekts hat Claudia Dalbert die Forschungsansätze zu intuitiven Entscheidungen mit dem Gerechtigkeitsmotiv verknüpft. In zahlreichen Experimenten befragte das Forscherteam Probanden, die Entscheidungen zu bestimmten Sachverhalten entweder spontan äußern sollten, während andere Zeit zum Nachdenken bekamen oder eine dritte Gruppe während dieser Zeit bestimmte Aufgaben erledigen musste.

Zu den Experimenten, an denen sich Gerechtigkeitsmotive und komplexe Entscheidungsprozesse messen lassen, gehört auch dieses Beispiel. Man stelle sich folgende Situation vor: Vier Jugendliche brechen in ihre Schule ein und stehlen Klausurlösungen. Sie werden dabei erwischt. Der Rektor zeigt sie jedoch nicht bei der Polizei an, sondern er beschränkt sich auf ein schulinternes Verfahren. Er interviewt die vier Schüler anschließend, um die Gründe ihres Einbruchs zu erfahren. Dabei stellt sich heraus, dass einer der Schüler an der Tür Wache hielt. Die anderen befanden sich im Schulgebäude. Einer von ihnen beabsichtigte, Klausurlösungen zu entwenden und stiftete die anderen beiden dazu an. Er gab aber an, nur Unfug im Lehrerzimmer machen zu wollen.

Die teilnehmenden Probanden entscheiden sich im Anschluss, wer welche Strafe bekommt, schließlich sind die vier Jugendlichen in unterschiedlichem Maß am Diebstahl der Klausurlösungen beteiligt gewesen. Eine Gruppe im Experiment entscheidet spontan über das Strafmaß. Eine andere denkt zunächst einige Zeit darüber nach, während eine dritte Gruppe in dieser Zeit Anagramme löst und sich dann entscheidet. Claudia Dalbert und ihr Forschungsteam sind dabei zu der Erkenntnis gelangt: "Bei unbewussten und spontanen Entscheidungen fallen die Unterschiede zwischen den einzelnen Beteiligten im vorgeschlagenen Strafmaß größer aus. Wir können unbewusst mehr Informationen bearbeiten und kommen daher durch unbewusste Verarbeitung zu besseren Vorschlägen." Und dies gelte insbesondere für jene mit ausgeprägten impliziten Gerechtigkeitsmotiven. "Je mehr diese bei den Probanden ausgeprägt sind, desto besser können sie gerechtigkeitsthematische Reize erkennen und desto eher wünschen sie sich, dass die Jugendlichen unterschiedlich stark bestraft werden", erklärt die Psychologin.

Gerechtigkeit sei ein sehr komplexes Thema, das sich unbewusst besser verarbeiten lasse, bemerkt sie weiter. Durch die begrenzte Informationsverarbeitung des Gehirns werden Reize oft unbewusst besser verarbeitet. "Immerhin werden 98 Prozent aller Entscheidungen intuitiv getroffen", so Claudia Dalbert.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw)


Dieser Artikel wurde am 03.09.2009 im Vedamagazin veröffentlicht.
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