Neues Gerät wacht über den Stress

Der „Stressguard“ soll jederzeit Auskunft über die geistige Belastung geben können

Karlsruhe - Wie hängen persönliche Fitness und mentale Fähigkeit zusammen? Das untersucht die interdisziplinäre Forschungsgruppe hiper.campus am KIT - mit dem Ziel, das kognitive Leistungsvermögen zu steigern. Eine der Ideen der Gruppe um Dr. Stefan Hey wird nun zu einer Existenzgründung führen. Mit rund 350.000 Euro aus dem Programm EXIST fördert das Bundeswirtschaftsministerium über 18 Monate die Geschäftsidee eines Stressguard. Dahinter verbirgt sich ein am Körper tragbares Sensorsystem.

Der Stressguard ermittelt Parameter wie EKG und körperliche Aktivität mobil und kontinuierlich, um den körperlichen und geistigen Stress des Anwenders beurteilen zu können. Zudem unterstützt er mit intelligenten Rückmeldungen den Nutzer bei der Steigerung seiner Leistungsfähigkeit. Indem er die Belastung über einen längeren Zeitraum fundiert überwacht und dokumentiert, hilft der Stressguard dem Anwender, darauf zu achten, sich ausreichend zu bewegen. So kann er beispielsweise überprüfen, ob ein Versuch, den Stress zu bewältigen - eine kurze Arbeitspause zum Beispiel oder Sport -, wirksam ist. Oder helfen, eine Stresssituation zu unterbrechen, wenn ein Schwellwert überschritten wird, zum Beispiel, indem er ein akustisches oder taktiles Signal aussendet, das mit einer Handlungsempfehlung verbunden ist.

Das Gerät besteht aus einem Brustgurt mit integrierten Elektroden und weiteren Sensoren. Sie erkennen neben den Biosignalen auch die Bewegungsintensität des Anwenders - nur so lässt sich an ihnen ablesen, wann wirklich Stress die Ursache etwa für eine höhere Pulsrate ist. Und nur dann, so Hey, liefern sie "Maßzahlen für die mentale und psychische Belastung".

Das Interesse anderer Forschungsstätten an der Entwicklung sei groß, sagt Stefan Hey. So kam sie bei einer Studie im Bereich Physioeconomics zum Einsatz, zu der Frage, wie sich Stress auf ökonomische Entscheidungen auswirke. Anfragen liegen auch von weiteren Forschungseinrichtungen vor, die zum Beispiel Stress von Menschen in Bereitschaftsdiensten messen wollen oder eine Stressstudie mit Suchtkranken vornehmen.

Dr. Jörg Ottenbacher, Dr. Ulrich Großmann und Jürgen Stumpp, drei Wissenschaftler am KIT, werden das Kernteam der zu gründenden Firma bilden, die das Gerät in Stufen am Markt etablieren will. Nach interessierten Wissenschaftseinrichtungen wollen sie ihr Augenmerk auf Menschen und Gruppen richten, die sich professionell mit den Themen Fitness und Stress beschäftigen. Erst dann peilen sie den Endverbraucher an.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw)


Dieser Artikel wurde am 29.09.2009 im Vedamagazin veröffentlicht.
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