Stressfaktoren für Kinder: Aussehen, Hobbys und Alleinesein

Forscher erstellen Top 25-Liste der Stressauslöser im Alltag

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Malaga (pte) - Kinder entwickeln vor allem dann Stress, wenn sie sich Sorgen um das eigene Aussehen machen, wenn sie übertrieben aktiv in ihrer Freizeit sind oder wenn sie von den Eltern viel alleine gelassen werden. Das beschreiben spanische Forscher in der Fachzeitschrift Psicotema. "Viele Kinder stehen in ihrem Alltag unter Stress, den sie nicht bewältigen können. Die Folgen davon reichen von Schlaf- und Essstörungen über Kopf- und Bauchschmerz bis hin zu Leistungsabfall, Verhaltensauffälligkeiten, Angstzuständen und Depression", berichtet Studienautorin María Victoria Trianes Torres von der Universität Malaga im pressetext-Interview.

Kriterium der Bewältigbarkeit

Die Forscher erstellten auf Grundlage einer Untersuchung an 1.000 Kindern im Grundschulalter ein Inventar der 25 häufigsten Stresssituationen aus den Bereichen Schule, Familie und Gesundheit. Sie brachten diese auch in Verbindung mit der Cortisol-Konzentration im Körper beim Aufwachen, die als hormoneller Indikator für Stress bei Kindern gilt. Die dadurch mögliche Evaluation von Stress bei Kindern soll einerseits in der psychoedukativen Intervention Anwendung finden, andererseits bei Maßnahmen, bei denen die eigene Überwindung von Stress trainiert wird.

"Stress" definiert Trianes als "Situation, in der ein Kind vor einer Aufgabe steht, die es mit seinen Ressourcen nicht mehr bewältigen kann". Er habe sowohl eine psychische, als auch eine kognitive und eine biologisch-hormonale Komponente. "Die Aufgaben im Leben wie die Schule oder neue Situationen bereiten Kindern immer bestimmten Druck, der auch positiv sein kann. Das Lampenfieber etwa vor einem Test kann zu höherer Leistung anspornen. Übersteigt es jedoch ein bestimmtes Niveau, kann es jedoch auch den Verlust aller Ordnungsfähigkeit der Gedanken bewirken", so die Schulpsychologin.

Sorge um Aussehen belastet bereits Kinder

Als einen der wichtigsten Stressauslöser nennt Trianes die Sorge um das körperliche Erscheinungsbild. Diese könne bereits im Alter von vier Jahren beginnen und nehme ihren Höhepunkt in der Pubertät. "Im Alltag erleben etwa übergewichtige Kinder Stress, wenn ihr Umfeld sie dauernd dazu auffordert, doch keine Süßigkeiten mehr zu essen." Ähnlich raten auch Kinderpsychiater Eltern von adipösen Kindern, in der Beziehung zum Kind das Gewichtsthema nicht überhand nehmen zu lassen.

Schule und Freizeit bilden eine weitere Quelle für Stress bei Kindern. Einerseits sei darunter der Druck infolge schlechter Leistungen zu zählen, andererseits jedoch auch das Fehlen von Erholungszeiten. "Zu beobachten ist das vor allem, wenn Kinder außerhalb des Unterrichts einen Stundenplan besitzen, der überfüllt ist mit anderen Aktivitäten etwa aus den Bereichen Sprachen, Sport oder Musik", so die spanische Forscherin. Auch eine deutsche Studie belegt, dass der Freizeitstress eine der wichtigsten Ursachen von Kopfweh bei Kindern ist.

Familie ist Problem und Chance

Viel Stress stammt jedoch auch aus dem familiären Umfeld. "Kinder mit zwei voll berufstätigen Eltern, mit denen sie kaum Zeit verbringen können, sind oft viel alleine. Fehlt Zuneigung und Kontakt auf dieser Ebene, fehlt auch eine verfügbare Ansprechperson, die den Umgang mit Stress erleicht", erklärt Trianes. Belastend sei für ein Kind auch, wenn es aufgrund des frühen Arbeitsbeginns der Eltern schon um sechs Uhr morgens das Haus verlassen müsse. "Eltern wollen das Beste für ihre Kinder, doch viele gut gemeinte Sorgemaßnahmen bedeuten in Wahrheit höheren Druck auf das Kind."

Umgekehrt könne man laut Ansicht der Wissenschaftlerin Faktoren benennen, die Kinder davor schützen, nicht bewältigbarem Druck ausgesetzt zu sein. Ausreichend Kontakt und Nähe zu den Eltern gehört dazu, gute Freundschaften mit Gleichaltrigen, Erfolg in der Schule oder auch bestimmte Charaktereigenschaften. "Günstig sind innere Stärke, Humor sowie die Fähigkeit, sich Problemen selbst zu stellen und nach Lösungen zu suchen, während starke Abhängigkeit von Erwachsenen das Gegenteil bewirkt."

Quelle: Pressetext


Dieser Artikel wurde am 15.01.2010 im Vedamagazin veröffentlicht.
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