Rezension

"Yogic Flying According to Yoga Vasishtha" by Peter Freund
  • ISBN-10: 1790917336
  • ISBN-13: 978-1790917334
Dieses Buch verdient aus zwei Gründen allgemeine Beachtung:
  1. Es illustriert das moderne - auf  die Bewusstseinorientierte Erneuerung des Veda bezogene -  Verständnis der überlieferten vedischen Literatur, was eine neue Art des Übersetzens ermöglicht,
  2. Es behandelt mit dem yogischen Fliegen ein Thema, das die wissenschaftlichen Grundlagen der modernen technischen Zivilisation betrifft, nämlich die Frage: "was ist die universelle Kraft der Gravitation?"
Die von Peter Freund übersetzten Textstellen des Yogavasishtha sind sieben Kapitel aus dem 6. Buch des Yogavasishta, die dort die Nummern 77 - 83 haben. Das 6. Buch handelt vom kosmischen Bewusstsein und seiner Kultivierung. Konkret geht es in den sieben Kapitel um Methoden des Yoga, die mit der Meisterschaft über die grundlegenden Naturgesetze verbunden sind, insbesondere der Gravitation.  Ein vollständiges Verständnis der Gravitation bedeutet in letzter Konsequenz die Beherrschung derjenigen Kraft, die den Kosmos, das gesamte Universum, zusammenhält.

Allgemein bekannt - zumindest dem Namen nach -  sind  die aus dem Yoga stammenden Körperübungen (Asana), Atemübungen (Pranayama) und auch die Technik der Meditation. Weitgehend unbekannt sind jedoch Yoga-Übungen, die die Geist-Körper-Koordination soweit optimieren, dass grundlegende Ebenen der Natur unmittelbar gesteuert werden können. Das wird im Yoga als Siddhi bezeichnet, was Perfektionierung bedeutet. Dazu zählt das yogische Fliegen, d.h. die Fähigkeit durch einen mentalen Impuls, den eigenen Körper entgegen der Schwerkraft durch die Luft zu bewegen. 

Die Fähigkeit der unmittelbaren Beeinflussung der Naturgesetze entwickelt sich gemäß dem Yogavasishtha nicht schlagartig sondern in Stufen. Obwohl die Siddhi-Techniken in den Yoga-Lehrsätzen des Patanjali ausführlich dargestellt werden und  ihr Wirkungsmechanismus bereits ansatzweise wissenschaftlich begründet werden konnte, werden diese Übungen von der Öffentlichkeit entweder belächelt oder als übernatürlich ignoriert.

Eine  gemäß den Prinzipien der akademischen Sanskrit-Philologie  erstellte Übersetzung der  Episode  des Yogavasishtha, die von den Siddhis  der Königin Cudala handelt, ins Deutsche  stammt von Peter Thomi und wurde 1980 veröffentlicht. Ein Vergleich der beiden Übersetzungen zeigt auf einen Blick, wie bei Peter Freund der Bezug zur Theorie und Praxis des yogischen Fliegens deutlicher hervortritt und der Text einen neuen, präzisen Sinn bekommt.

Tabelle 1  Verse aus Yogavasishtha 6.80 in der Übersetzung von Peter Thomi und Peter Freund



Peter Thomi (1980) Peter Freund (2018)
80.2 (König Shikhidhvaja sagt:) Ungereimtes Zeug redest Du da, Du bis eine Närrin, O Schöne,


Du vergnügst Dich mit Königsspielen,
vergnüge Dich , O Königstochter
Shikhidhvaja said: “O radiant and beautiful lady, you are behaving like a foolish child, speaking gibberish without connection to reality.
“Enjoy our royal amusements without fear, take delight in the pleasures befitting the daughter of a king.
80.17 (Rama sagt:) So sage mir denn was muss einer tun, dass ihm das Fliegen und dergleichen zuteil wird? Dem, der einzig von Willensanstrengung erfüllt ist. What is this practice, hardly ever seen in the world, in which the unmoving body moves [upwards]? Bodies naturally fall downwards. It takes effort to resist the downward pull of gravity. How is this Yogic Flying done?
80.19 (Vasishtha sagt:) Dreifaltig,fürwahr, sind die Dinge die man hier allenthalben erlangen kann: ergreifenswert, meidenswert und gleichgültig. There are three elements that must come together in consciousness at one time to bring success to every endeavor: The intention [to achieve a result] [Dhârana]; the letting go of the desired result [Dhyân]; and at the same time, the witnessing quality of pure consciousness [Samâdhi]

Wie Peter Freund in seinem Kommentar zur Neu-Übersetzung erläutert, ist im Yogavasishtha das konkrete Geschehen untrennbar mit dem theoretischen Verständnis und der praktische Anwendung verbunden. Die Geschichte von König Sikhidhvaja, der das Streben seiner Königin Cudala nach Perfektionierung zunächst belächelt, illustriert die Beziehung zwischen Sein und Werden bzw. Existenz und Intelligenz. Dieses Wechselspiel durchläuft klar unterscheidbare Entwicklungsschritte, die im Yogavasishtha genau beschrieben werden.

Die neue Übersetzung des Yogavasishtha erlaubt die fundierte theoretische und praktische Beschäftigung mit dem yogischen Fliegen. Zu begrüßen wäre die Einrichtung von Studiengruppen, die die im yogischen Fliegen schlummernden Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität all denen zugänglich machen, denen das Wohl der Gesellschaft am Herzen liegt.

Rezension von Dr. Bernd Zeiger(zur Erstveröffentlichung des Buches im Dezember 2018)
Von Bernd Zeiger stammt auch ein 2015  unter dem Titel  "Quantenlevitation"  in der  MATRIX, Band 88, Seite 20 - 24, erschienener Erklärungsversuch des yogischen Fliegens.